In memoriam Rainer Cadenbach

Gedenkkonzert in der Schlosskirche der Universität Bonn

 

Konzerte sind etwas Vergängliches: Wenn der letzte Ton verklungen ist, ist das Ereignis beendet. Aber es bleibt die Erinnerung an dieses musikali­sche Geschehen, an die Werke des Programms als solche und an die dabei Mitwirkenden.

Es gibt viele solche Erinnerungen, die beim Matineekonzert in der Schloss­kirche der Universität Bonn am 1. März 2009 lebendig wurden. Im Geden­ken an Rainer Cadenbach, Professor an der Berliner Universität der Künste und verstorben im Mai 2008, trafen zahlreiche Freunde und Bekannte zusammen, um in musikalischer Ver­bundenheit an seine Bonner Zeit zu erinnern: Freunde, die zusammen mit Rainer Cadenbach als Studenten im Collegium musicum musiziert hatten und ehemalige Mitglieder der Camerata musicale, die später unter seiner Leitung in diesem zweiten Bonner Studentenorchester musiziert haben. Emil Platen, Gründer und viele Jahre lang Leiter und „spiritus rector“ des Collegium musicum hatte ein Programm zusammengestellt und mit den z. T. von weit her angereis­ten Musikern an einem intensiven Probentag erarbeitet, das in vielfältiger Weise auf die Tradition des Collegium musicum, auf das von Rainer Cadenbach geprägte besondere Programmprofil der Camerata musicale und schließlich auf die Forschungsschwerpunkte Rainer Cadenbachs Bezug nahm.

Zu Beginn des Konzerts würdigte Emil Platen als sein früherer Hochschul­lehrer die Biografie und das Forscherleben des Verstorbenen, der 1963 seine akademische Laufbahn mit dem Studium der Germanistik, Philoso­phie und Musikwissenschaft begonnen hatte. Im Mittelpunkt eines Hoch­schulstudiums, das über die fachliche Gelehrsamkeit hinaus eine umfas­sende und vertiefte Bildung im „Studium universale“ anstrebt, stand damals wie heute das studentische Musizieren, das für den damaligen Cellisten - und späteren Leiter der Camerata musicale - Rainer Cadenbach und viele Anwesende ein nachhaltig verbindender Teil ihrer Biografie geworden ist. Christian Scheiter, Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung des studentischen Musizierens Bonn e.V. und Konzertmeister des Akademischen Orchesters Bonn, erinnerte an diese prägende Auswir­kung gemeinsamen Musizie­rens, das geografische und politische Grenzen überwindet, Gemeinschaften festigt und das Kulturerbe auch für die Zukunft bewahren hilft.

Eröffnet wurde das Konzert mit Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge g-moll BWV 539 in der Bearbeitung für Streichorchester von Emil Platen, der im Wechsel mit Michael Küßner auch die musikalische Leitung des Orchesters übernommen hatte. Ein weiteres Werk von Johann Sebastian Bach, das Doppelkonzert d-moll BWV 1060 in der Fassung für Oboe und Violine, bot den Solisten Siegfried Borggrefe (Oboe) und Konstantin Gockel (Violine) die Möglichkeit, im Wechsel mit dem Orchester die unvergängliche Klangschönheit dieses Werks zu demonstrieren und damit an Aufführungstraditionen von Werken des Komponisten im Bonner universitären Musikleben anzuknüpfen. In Würdigung des Reger-Forschers Rainer Cadenbach, so Emil Platen, folgten zwei Werke Max Regers, die seine einzigen für Streichorchester sind und selten aufgeführt werden: Die Bearbeitung des Bach’schen Choralvorspiels BWV 622 „O Mensch, bewein dein’ Sünde groß“ und das Lyrische Andante, das musikalisch durchaus eine Aufnahme in das Repertoire auch anderer Konzerte rechtfertigen würde.

Eine Erstaufführung zumindest in Bonn, möglicherweise auch weit darüber hinaus, folgte mit dem Larghetto in Memory of Karol Rathaus für Streich­orchester und Pauken des amerikanischen Komponisten Leo Kraft, ein Werk mit Elementen einer Trauermusik, im Mittelteil auch mit rhythmisch hervortretenden und dann heftig aufbegehrenden Klangfolgen. Das Paukensolo hatte auf musikalisch bemerkenswertem Niveau Albert Kedves übernommen, und Michael Küßner, dem langjährigen Dirigenten der Camerata musicale – und Nachfolger Rainer Cadenbachs in dieser Position -, gelang es, diese Komposition aus dem Musikschaffen der Gegenwart dem Publikum überzeugend zu vermitteln.

Mit Paul Hindemiths Fünf Stücken für Streichorchester op.44,V würdigte das Orchester das Engagement Rainer Cadenbachs für das Schaffen dieses Kompo­nisten. Peter Jakobs (Violine), Solist auch schon in Bachs Präludium und Fuge g-moll zu Beginn des Konzerts, überzeugte durch souveräne Bewältigung des Soloparts in diesem Werk, dem auch das musikalisch durchaus geforderte Orchester gerecht wurde.

Ein wenig bekanntes Werk bildete den Abschluss der Matinee, das Concertino II von Unico Willem van Wassenaer, früher auch Giovanni Battista Pergolesi oder Carlo Ricciotti zugeschrieben. Es bot Gelegenheit, dem Publikum ein neu angeschafftes Violoncello vorzustellen. Das Instrument wurde vor kurzem aus den Spenden erworben, die auf Wunsch von Frau Cadenbach anstelle von Blumen und Kränzen anlässlich der Beisetzung ihres Gatten der Gesellschaft zur Förderung des studentischen Musizierens Bonn e.V. zugeflossen waren. Das Cello steht dem studenti­schen Musizieren in der Universität Bonn seitdem als Leihinstrument zur Verfügung. Derzeit wird es von einer koreanischen Studentin gespielt, die Mitglied der Camerata musicale ist. Mit dem vielstimmigen, musizierfreu­dig komponierten und schwungvoll dargebotenen Concertino Graf van Wassenaers fand das Konzert einen angemessenen, in die Zukunft musi­zierender Menschen gerichteten Abschluss.

Allen an der Organisation und Durchführung der Matinee Beteiligten, ins­besondere den Dirigenten Emil Platen und Michael Küßner sowie Volker Mettig und Ulrike Küßner galt ein herzlicher Applaus der Teilnehmer und Zuhörer, unter denen viele selbst aktive Musiker sind.

Klaus Kempkens


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